Republik Südafrika
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Mitte Januar 2006 kehrten wir nach unserem Schweizeraufenthalt wieder
zum Schiff im Zululand Yacht Club Richards Bay SA zurück.
Diesmal erwartete mich eine neue Überraschung. In einem Schrank stank
es beträchtlich und ich fand grün und weiss verschimmelte Teigwaren
und kleine schwarze Käferli tummelten sich zwischen meinen Vorräten.
Bevor ich mein Gepäck auspackte machte ich mich hinters Putzen und
werde in den nächsten Wochen viel Zeit darauf verwenden dieses Ungeziefer
wieder los zu werden. Zwei Tage später packten wir wieder unsere
Taschen, um auf dem Landweg in Richtung Norden zu fahren.
Wir wollen vom Land, Leuten und den Game Reserves etwas sehen.
Hier herrscht Sommer mit hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze,
gelegentlich regnet es oder der Himmel ist wolkenverhangen. Bäume und Büsche sind grün
und das Gras ist hoch, was für Tierbeobachtungen erschwerend ist. Trotz
der eigentlichen Regenzeit sind die Flüsse sehr trocken und es wird über
Wassermangel geklagt.
Unsere erste Safari machten wir im Hluhluwe-Umfolozi-Park. Die 6 Gäste
von unserem Loge wurden von einem Ranger im offenen Geländewagen durch den
Park gefahren. Bald entdeckten wir über dem Buschwerk die langen Hälse
von Giraffen und im hohen Gras weideten Zebras. Häufig sind diese beiden
Tierarten zusammen anzutreffen, denn Zebras haben gute Ohren und Giraffen gute
Augen und den Überblick um anschleichende Feinde zu entdecken. Die Giraffen
schreiten normalerweise im Passgang. Sobald sie aber fliehen müssen schalten
sie wie Pferde in einen Galoppgang (Beine übers Kreuz genutzt) und bei noch
höheren Geschwindigkeiten stossen sie mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig
ab. Das Gehirn muss demnach 3 verschiedene Gangmuster gespeichert haben.
Impalas, Wasserböcke und Gnus stehen nahe an der Strasse und eine Elefantenherde
stampft zwischen den Bäumen durchs Gras. Bekannt ist der Hluhluwe Park für
seine Nashörner.
Swaziland das kleine von SA umschlossene Königreich ist unser nächster
Halt. Nach Papierkrieg an der Grenze fahren wir in das hügelige Land, welches
etwas an das Appenzellerland erinnert. Tourismus und Holzbewirtschaftung sind
wichtige Einkunftsquellen. Wälder werden abgeholzt und wieder grossflächig
angepflanzt.
Inzwischen hängen Wolken und Nebel an den Hügeln wie bei uns in den
Voralpen und es beginnt zu regnen. In der Hauptstadt Mbabane möchte
ich auf den Markt, hatte ich diesen doch von meinem letzten SA-Aufenthalt 1974
in guter Erinnerung. Aber jetzt hat es nur noch einige schmutzige, verkommene
Gemüse- und Fruchtstände, keine bunten Stoffe oder Korbwaren mehr.
All die handwerklichen Gegenstände scheinen nur noch im touristischen Craft
Market erhältlich. Auch sieht man keine Frauen mehr in traditionellen bunten
Kleidern. Auf dem Land vor der Stadt draussen sind die Kraals mit den Rundhütten
verschwunden, es wird in kleinen eckigen Beton- oder Backsteinhäusern mit
Blechdach gelebt und der Hof ist mit einem Stacheldraht- oder Gitterzaun umschlossen.
Eine kleine ländliche Siedlung erinnerte mich an ein Schweizerisches Schrebergartenareal.
Unsere nächste Station ist ein Lodge im Krügerpark. Morgens
ganz früh (Tagwache 04 30!) und am späteren Nachmittag bis es dunkel
ist, sind wir wieder in einem offenen Wagen unterwegs. Neben Elefanten, Nashörnern
und verschiedenen Antilopenarten beobachten wir zahlreiche, teilweise bunt gefiederte
Vögel. Adler kreisen und Aasgeier hocken auf den Bäumen. Nachdem es
dunkel geworden ist, werden die Nachttiere aktiv. Mit dem Handscheinwerfer wird
die Umgebung abgeleuchtet und plötzlich leuchten gelbe Augen auf. Eine Hyänenfamilie
liegt im Gras neben der Strasse. Etwas später trottet ein Gepard vor dem
Auto her, welcher sich wenig später im auf der Strasse liegendem Elefantenmist
wälzt. So täuscht er seine Beute, denn diese nimmt dann den Elefanten-
und nicht den Gepardgeruch wahr und wiegt sich in Sicherheit. Wir können
ein Rudel Hyänenhunde beobachten (werden im Krüger selten gesehen),
welche Impalas jagen und auch eines erwischen. In kürzester Zeit ist das
Tier gerissen und die Hunde verschwinden mit ihren blutigen Schnauzen im Gebüsch.
Nach dem Krügerpark erkunden wir von Hazyview aus das Drakensberg
Escarpement mit dem Blyde River Canyon und dem Goldgräber Städtchen Pilgrim’s
Rest.
Im privaten Timbavati Game Reserve können wir nochmals Tiere beobachten.
Dieses Camp wird nur von einem niedrigen elektrischen Zaum umgeben und nach Einbruch
der Dunkelheit darf man nur noch in Begleitung des Nachtwächters vom Bungalow
zum Haupthaus gehen. Es scheint etwas übertrieben, aber als unser Fährtenleser
am nächsten Morgen Leopardenspuren verfolgt, führen diese geradewegs
durchs Camp. Hier sehen wir nun auch die grossen Katzen. Ein Leopard liegt faul
auf einem Baumast und hat seine Beute (ein totes Impala) sicher vor andern Tieren über
den nächsten Ast gehängt. Ein anderer ist auf Jagd und wir folgen ihm
mit dem Landrover durchs Gras und Gebüsch. Er lässt sich von uns nicht
irritieren und schreitet 1m neben dem Auto einher. Dann treffen wir auf einen
gewaltigen Löwen (so gross wie ein Kalb), er ist der Herr über das
ganze Gebiet. Aus 4-6 m Distanz beobachten wir ihn. Als er sich erhebt, einen
Schritt auf uns zu macht und uns fixiert, gibt es doch ein etwas flaues Gefühl
in der Magengegend. In einem trockenen Flussbett treffen wir auf eine Löwengruppe.
Ein Männchen und drei Weibchen räkeln sich im Sand und dazwischen tummeln
sich drei Löwenkinder. Diese sind ca. 8 Wochen alt und unser Ranger sieht
sie heute auch zum ersten Mal. Am folgenden Tag treffen wir wieder auf die Löwin.
Diesmal ist sie alleine mit den Kleinen und unsere Anwesenheit scheint sie zu
stören. Sorgfältig fasst sie ein Junges am Genick und trägt es
ins dichte Gebüsch, das zweite folgt ihr nach, nur das dritte muss sie extra
holen und mit den Tatzen ins Versteck schieben. Es ist grossartig diese kraftvollen
Tiere aus nächster Nähe in freier Wildbahn zu beobachten.
Zurück in Richard Bay heisst es das Schiff zum Auslaufen bereit machen.
Am 1. Februar legen wir ab und hoffen dass das gute Wetterfenster so lange anhält,
um nach Port Elisabeth zu segeln. Kaum sind wir unterwegs bläst es sehr
kräftig (30-36 kn) und die Wellen sind hoch und aus verschiedensten Richtungen.
Ich habe meine Seebeine während des Schweizeraufenthaltes verloren und bin
wieder mal seekrank.
Nach einem Tag beginnt das
Barometer zu fallen und wir sehen auf den Wetterkarten eine sich nähernde SW-Front. So schlüpfen
wir in den Hafen von East
London (einziger Flusshafen SAs) und warten 2 Tage. Dann geht’s
weiter und wir können vom Agulhas-Strom profitieren der uns zusätzliche
3-4 Knoten Fahrt bringt. Bald lässt der Wind nach und die Segel werden
geborgen. So runden wir das Cape Agulhas ( der südlichste Punkt Afrikas)
und das Cape of Good Hope bei flachem Wasser unter Motor.
Am 9.2. noch vor Sonnenuntergang legen wir im Royal Cape
Yacht Club von Kapstadt am
Fusse des Tafelberges an. Die seglerisch schwierigste Strecke
Richards Bay – Cape
Town haben wir problemlos gemeistert. Wir werden wahrscheinlich
2 Wochen hier bleiben und dann in Richtung Namibia aufbrechen.
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